15.05.2005
Des Kudamms neues Lachen
Shooting-Star Katja Uhlig über Tanzen, Kreuzberg,
Liebe, Glück, viele Kinder und die Abneigung gegen Sekt.
VON GUNNAR SCHUPELIUS
Was ist mit dem Haar? Es war so blond, jetzt ist es rot.
"Gefärbt, nur für die Rolle." Eine Eisheiligen-Bö
fährt da durch, auch über ihre kleine Nase. Katja Uhlig
spielt die Emma in Baumanns Musical "Swinging Berlin, tanzen
verboten." Sie spielt die schöne Jüdin, gejagt von
der SS. Sie rührt die Herzen, sie spielt so echt, so traurig.
Bekommt den meisten Applaus. Abend für abend ein volles Haus,
Ovationen im Theater am Kurfürstendamm.
Katja Uhlig ist plötzlich bekannt. Wie kam das? "Sage
ich Ihnen, aber hier ist es zu kalt." Wir sitzen im Golgatha,
Biergarten am Kreuzberg. Gehen wir. "Die Bergmannstraße",
sagt sie, "ist meine Lieblingsstraße. Hier gibt es alle
Sorten von Menschen, alle Sorten von Läden." Hier kam
sie schon als Schülerin her, abends, aus Rudow, aus einem guten
Haus, Eltern in der Wirtschaft. Die beiden Töchter sollen Musik
machen.
Wir frühstücken, sie: amerikanisch. USA? "Ich war
ein Jahr drüben, ich mag die Menschen dort." Wie kamen
Sie denn auf die Bühne? Sie lacht. Das macht sie noch schöner.
Anruf beim Arbeitsamt - Swing-Sängerin gesucht? Und alles
klingt ganz einfach. Anruf beim Arbeitsamt. Blonde Swing-Sängerin
zufällig gesucht. Sie singt zweimal vor. Sie denkt: das schaff'
ich nie. Bin ich zu klein? (1,63 m) Bin ich zu alt (28)? Baumann
nimmt sie sofort. Das will was heißen. Und da ist das erste
Engagement nach der Musical-Ausbildung in Essen. Hauptrolle aus
dem Stand. Unglaublich.
Und weiter geht's. Katja ist keine Träumerin, Katja ist organisiert,
diszipliniert, sie steht früh auf. Wenn's am Kudamm zu Ende
ist (21. Mai), tritt sie in der Schweiz auf, bewirbt sich schon
für danach. Warum so eilig? "Wovon soll ich leben? In
den Pausen gibt's kein Geld, vielleicht Hartz IV." Sie lacht.
Der Mund ganz auf, Zähne wie Perlen. Ich schau' sie an: Aber
Sie spielen am Kudamm, sind sie jetzt nicht reich? "Nee, überhaupt
nicht." Sie lacht laut, schallend, der Kopf im Nacken, lacht
hoch, warm, schön. Das steckt an, wie fröhliche Musik.
Wir lachen darüber, daß sie mit der Gage nicht mal ein
paar Monate überbrücken kann. Daß es in ihrer Branche
kaum Festanstellungen gibt. Da würden andere heulen. Sie denkt,
sie bekommt schon immer was. Risiko ist auch Freiheit." Sonst
gehe ich Kellnern und mache einen neuen Anlauf." Eigene Wege,
schon immer. In der Schule wählen alle Englisch als erste Fremdsprache,
Katja Französisch. Dafür geht sie in die Parallelklasse.
Ein Dickkopf, ein erfolgreicher. Mit sechs will sie Klavier spielen.
Musik und Tanz sind ihre Liebe. "Mein Hobby ist mein Beruf",
sagt sie. Gott hat ihr Energie geschenkt, Freude am Leben. Gott?
Weiß sie nicht so, ist nicht in der Kirche.
Rotwein steht für Beisammensein Lieblingsland? "Griechenland".
Lieblingspolitiker? "Vielleicht Joschka Fischer." Familie?
Der Freund ist Dirigent. Kinder? Möglichst vier, mindestens
zwei. Sie möchte so gerne ein Mädchen.
Letzter Urlaub? Jahre her. Trinken Sie gerne Sekt, so wie alle
Frauen? "Nee, das ist so ein Gute-Laune-Party-Getränk.
Rotwein steht für Beisammensein, sich unterhalten." Das
mag sie.
Die letzte Diät? Nicht nötig bei dem Tanz auf der Bühne.
Der hinterläßt bei ihr keine Spuren. Überhaupt:
wird sie gar nicht älter? Warum sieht sie aus wie 17? Sind
Sie wirklich 28? Das gefällt ihr. Sie sagt: "Meine Stimme
paßt zu meinem Aussehen." Im Musical "Heidi"
(nach dem Roman von Johanna Spyri) in der Schweiz (23.7. bis 3.9.)
spielt sie die 14jährige Klara.
Welturaufführung, Seebühne, Open Air. Katja Uhlig kann
es kaum erwarten. |