Interview 24.03.2005 / berlinonline.de
KOMÖDIE UND THEATER AM KURFÜRSTENDAMM Katja Uhlig spielt ein jüdisches Mädchen in "Swinging Berlin - Tanzen verboten"

Eigentlich studier' ich noch

Katja Uhlig steht seit dem 20. Februar im Musical "Swinging Berlin - Tanzen verboten" in der Rolle des jüdischen Mädchens Emma auf der Bühne. Emma kommt in Leos Bar, um dort Unterschlupf zu finden. Ihr Bruder, der der Geliebte des Barkeepers Oscar Leonhardt (Helmut Baumann) war, ist bereits den Nazis in die Hände gefallen. Nach einigem Zögern gewährt Oscar ihr Unterschlupf. Brigitta Valentin sprach mit Katja Uhlig.
Sind Sie Berlinerin?

Ja, studiert habe ich jedoch in Essen.

Wie sind Sie zur Musik gekommen?

Mit sechs Jahren habe ich angefangen Blockflöte zu spielen, mit neun Jahren habe ich Klavierunterricht genommen, und als ich 19 wurde, habe ich Gesangsunterricht genommen. Dann habe ich begonnen, in Potsdam Schulmusik zu studieren, habe das Studium jedoch abgebrochen, als ich gemerkt habe, dass es mir nicht wichtig genug ist. Ich hatte damals schon länger mit dem Gedanken gespielt, mich für den Musicalstudiengang zu bewerben, aber doch große Zweifel, denn ich fand mich schon zu alt dafür. Mit 22 habe ich dann eine studienvorbereitende Ausbildung absolviert und mich danach in Essen an der Folkwang-Schule beworben. Und ich bin gleich bei der ersten Aufnahmeprüfung genommen worden.

Wann haben Sie das Studium beendet?

Eigentlich studier' ich noch bis zum 31. März. Die Prüfungen liegen aber alle schon hinter mir.

Wie kam es zu dem Engagement zu "Swinging Berlin - Tanzen verboten"?

Es gibt ja die zentrale Bühnen- und Film- und Fernsehvermittlung. Die hat mich darüber informiert, dass es zu "Swinging Berlin - Tanzen verboten" ein Vorsingen geben würde. In einem Telefonat wurde mir mitgeteilt, dass die Kudamm-Bühnen ein blondes Swingkid suchen. Ich bin dann also her und habe die Schwester aus "Roberto Zucco" vorgesprochen, eine sehr dramatische und emotionale Rolle. Und dann habe ich die Rolle der Emma Löwenstein bekommen.

Was für ein Gefühl war das, vor Helmut Baumann vorzusprechen?

Mir war gar nicht bewusst, wer mir da gegenübersitzt. Natürlich wurde mir das Team vorgestellt, aber ich war da so mit dem Vorsprechen beschäftigt, dass mir erst viel später klar war, wer da alles in der Jury saß. Beim zweiten Vorsprechtermin, dem sogenannten Callback, war ich dann um einiges nervöser, weil ich wusste, vor wem ich da vorspielen müsste. Ich habe dann aber schon vier Stunden später das Okay bekommen.

Wie haben Sie sich die Rolle des jüdischen Mädchens angeeignet?

Dieses junge Mädchen, das ich da spiele, ist mir nicht fremd. Obwohl noch sehr jung, ist sie trotzdem schon sehr reif, und ihr ist bewusst, was sie da riskiert. Trotzdem bleibt sie aber das Mädchen. Sie verliebt sich, folgt ihrem Herzen und wirft alle Rationalität über Bord.

Wie sehen Ihre Zukunftspläne aus?

Ich würde gerne für zwei Jahre fest an ein Haus gehen. Mir ist wichtig, dass ich mich in eine Rolle einbringen kann. Ich hätte nicht viel davon, das dritte Mädel von links in der zweiten Reihe zu sein, das eine Schrittfolge machen muss, die so seit zehn Jahren festgelegt ist. Insofern glaube ich, dass mich kleinere Produktionen derzeit weiter voranbringen würden.

Ihre Kritiken waren hervorragend. Wie ist es, seinen Namen in der Zeitung zu lesen?

Man freut sich sehr darüber.